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Das Leben in vollen Zügen genießen

Bewegen überall

Yoga und überhaupt Bewegung hilft eigentlich in jeder nur denkbaren Situation, weil Du automatisch in das Hier und Jetzt zurückkommst, tiefer atmest, der Körper optimal mit Sauerstoff versorgt wird, die Glückshormone das Cortisol verdrängen und die Muskeln sich – einmal kräftig angespannt – ganz einfach entspannen können…

Die Zappeline

Es gibt halt nur Situationen, in denen Du lernen darfst, dass andere Menschen es nun nicht unbedingt so common finden, sich immer und überall zu bewegen… da wird Dir schnell mal ein Zappel-Syndrom angedichtet. Schließlich haben wir in der Schule alle gelernt still zu sitzen, um andere nicht zu stören. Und andere fühlen sich tatsächlich dadurch gestört, nicht zuletzt, weil Du ihnen ihre Steifheit, Langeweile und schlechte Laune spiegelst…

Der Traum

Zum Glück bin ich groß und darf selbst entscheiden, ob ich mir Ritalin einwerfe oder einfach Spaß habe, um das beste aus einer Situation herauszuholen: so geschehen neulich auf einer unserer diversen Zugfahrten quer durch Deutschland. Nein – nicht mit dem 9-Euro-Ticket, sondern extra kostspielig, weil schneller, aus dem Erzgebirge heim nach Karlsruhe – geplante Dauer 6-einhalb Stunden. Soweit zur Phantasie…

Und die Realität

Mit der Tram nach Chemnitz verlief unsere Fahrt reibungslos. Eine halbe Stunde Wartezeit in Chemnitz…
Aus der halben Stunde wurden 55 Minuten, dann 65 Minuten, dann fiel der Zug plötzlich aus, weil es sich nicht mehr so recht lohnte, denn der fährt ja stundenweise.
Bis dahin hatte es einen gewissen Unterhaltungswert: laut App lag eine Verspätung aus vorheriger Fahrt vor, laut Lautsprecherdurchsage musste eine Reparatur vorgenommen werden.

Vulkanausbrüche hatten wir noch nicht

Wir spekulierten wild, ob die Gründe aus einem großen Wälzer mit möglichen Verspätungen ausgewürfelt werden, so wie bei Pen-&-Paper-Games:
21 – ein Drache hat den Zug verschleppt, weil eine Prinzessin an Bord war. Es tut uns leid. Wir wissen selbst nicht weiter
983 – es spielen Riesen auf den Schienen. Einer hat soeben einen Fahrgast verschluckt. Wir müssen die Richtung wechseln, was eine ungewisse Zeit in Anspruch nehmen wird
6 – ein seltener Blaukauz nistet in dem Tunnel zwischen Lauterbach und Gorken. Es muss eine neue Strecke improvisiert werden
43 – das Bordpersonal hat leider den Zug verpasst. Wir bemühen uns verzweifelt nach Ersatz
3291 – es wurden kostbare Fossilien gefunden. Die Strecke wird leider gänzlich gesperrt…
Doof nur, dass der Anschlusszug damit in unerreichbare Ferne rückte.

Zeiten und Wunder

In Leipzig angekommen, gab es eine angenehme Überraschung:
740 – ein Baum liegt auf der Schiene
Unser Anschluss-Zug hatte infolge zweieinhalb Stunden Verspätung und war mit etwas Warterei wieder erreichbar…
nur leider der nächste Anschluss-Zug nicht…

1, 2, 1, 2, …

Langsam wurde ich rappelig von der ganzen Sitzerei. Was hilft? – na klar: Bewegung!
Hüpfen, Tanzen, Yoga…
Da musst Du allerdings schon ein wenig aufpassen, damit Du nicht eingeliefert wirst. So ein Bahnhof ist kein Ort zum Spaß haben. Hier herrscht der Ernst des Lebens mit strenger Faust, Hektik, Flüchen, Ungeduld und bösem Blick. Da wird gerempelt und Luft abgelassen…

Reise-Yoga

Nein! Ich besitze keine Reise-Yogamatte, die ich wie einen Gebetsteppich überall ausrolle, aber ein Baum in Ehren, Stretchübungen, um die eigene Achse schwingen, Atemübungen und Co gehen einfach überall und schon fühle ich mich besser… und die anderen?
Die glotzen eben und fühlen sich weiterhin schlecht, meckern, fluchen, rennen, …
Und dann?

Resignation

Wir fuhren noch sehr lange und es fielen viele ICEs aus. Zwischendurch bekamen wir noch einen, den wir gebucht hatten und der ebenfalls Jahre verspätet war und ein ICE wartete sogar 20 Minuten auf uns. Mittlerweile war alles egal.
Die Kids rannten von einem Ende des Zuges zum anderen, während ich ein paar Yogaübungen auf dem Sitz praktizierte und überlegte, wo wir wohl schlafen würden…

Unerwartet

Aber nachts um 2 Uhr waren wir dann doch plötzlich daheim… vier Stunden und 15 Minuten nach Plan… müde aber gut gelaunt!
Zug-Yoga könnte Schule machen…

Rettet das 9-Euro-Ticket

An dieser Stelle möchte ich für den Erhalt des 9-Euro-Tickets plädieren, denn mit diesem wären wir vermutlich schneller zu Hause gewesen. Und wer jetzt sagt „Aber das Personal muss doch bezahlt werden!“: Schaffner und Schaffnerinnen wurden zwischenzeitlich bereits abgeschafft. Vielleicht hielten sie sich auch nur bewusst versteckt. Jedenfalls sind wir die ganze Fahrt über keinem begegnet, dabei hätten die Kids gerne ihre Kinderfahrkarten gehabt und ich viele Fragen über eventuelle Anschlüsse und Umleitungen gestellt. Aber dank Handys brauchen wir ja heute keine ZugbegleiterInnen mehr, sondern eher Fitnessgeräte und Yogastationen an den Bahnhöfen, damit die Wartenden ihre Laune hochhalten können, weil es einfach alles erträglicher macht.

2 Katzen praktizieren Yoga