Dr. Sommer:
Du hast als Betreff geschrieben: „Ich hänge fest, obwohl ich eigentlich starten will.“
Das klingt nach einem inneren Widerspruch. Was meinst du damit?
Ich:
Naja, ich weiß genau, was mir guttun würde…
… und ich weiß, ich müsste mich bewegen, irgendwo anfangen, mehr rausgehen, Dinge echt ändern…
… aber ich bleibe einfach sitzen oder treffe mich maximal zum Essen,
obwohl mir gerade das nicht hilft… und eigentlich verstehe ich mich selbst nicht.
Dr. Sommer:
Was passiert denn in dir in dem Moment, in dem du eigentlich starten willst?
Ich:
Es ist wie… ein inneres Stoppschild oder wie eine Wand aus Watte…
nicht laut, eher einladend, so selbstverständlich und vertraut.
So ein „Jetzt noch nicht… erst wenn ich mich wirklich bereit fühle.“
… und ich weiß, dass dieses ‚Bereitfühlen‘ nie kommt, aber ich warte trotzdem darauf.
Dr. Sommer:
Das ist interessant. Du wartest also auf einen Zustand, der nicht durch Warten entsteht.
Ich:
Ja… aber wenn ich mich bewege, fühlt sich das so anstrengend an.
So als müsste ich erst eine Hürde überwinden, die unsichtbar ist.
Und ehrlich gesagt: Nicht-Bewegen ist… angenehmer.
Dr. Sommer:
Angenehmer heißt aber nicht besser, sondern nur vertrauter?
Ich:
Ja, das trifft es ziemlich genau. Naja, es ist auch nicht wirklich angenehm…
Dr. Sommer:
Dann lass uns genauer hinschauen: Was genau ist das eigentliche Problem?
Ich:
Ich glaube… der Anfang… das erste Stück.…
… so als müsste ich erst einen Zustand durchbrechen, der mich festhält, ohne mich festzuhalten.
Und wenn ich mich dann bewegt habe, reicht das ja auch gar nicht…
Also ja! Am Anfang ist es eigentlich noch okay: ich gehe zum Beispiel spazieren oder joggen
und eigentlich fühlt es sich sogar gut an… und dann kommt da dieser Moment…
Dr. Sommer:
Welcher Moment?
Ich:
Dieser Gedanke: „Mist… das muss ich jetzt ja immer so machen.“
Dr. Sommer:
Ah.
Ich:
Und dann ist es plötzlich nicht mehr leicht…
… aber nicht, weil es schwer ist, sondern weil es verpflichtend wird…. also Alltag!
Das ist unangenehm… dann ist es ja nicht mehr „ich probiere mal was“,
sondern: „Das ist jetzt mein neues Leben. Für immer!“ Wie ein Korsett.
Dr. Sommer:
So als würdest du eine Diät machen und nie mehr damit aufhören dürfen?
Ich:
Ja, …und weil ich meine Bequemlichkeit einbüße, die ich mir ja schließlich verdient habe!
Das Problem ist also nicht der Spaziergang, sondern der Gedanke:
„Ab jetzt bin ich ein Mensch, der immer spazieren geht.“
Das klingt total bescheuert, wenn man es laut sagt, aber genau so fühlt es sich an.
Als würde ich mir plötzlich selbst etwas wegnehmen… und dann tue ich meist irgendwas,
was ich eigentlich nicht mehr wollte… gehe Eis essen oder kauf mir was Schönes…
Dr. Sommer:
Obwohl du ja eigentlich versuchst, dir durch Veränderung etwas zurückzuholen:
Energie, Beweglichkeit, Gesundheit, Lebendigkeit, Selbstverbindung…
Ich:
Ja, aber mein Kopf reagiert sofort mit Trotz und Widerstand, so: „Na toll. Dann darf ich jetzt wohl nie wieder ich sein.“
Dr. Sommer:
Das ist der spannende Teil: Du trauerst nicht um den Kuchen. Du trauerst um die Selbstverständlichkeit.
Ich:
Wow… ja.
Dr. Sommer:
Denn Gewohnheiten sind nicht nur Verhalten, sondern emotionale Heimatorte:
die Couch, das Scrollen, das „heute ausnahmsweise nochmal“
Das sind alles Zustände, die sagen: „Du musst gerade nichts verändern.“
Ich:
Ja, und genau DAS fühlt sich gut an. Das ist irgendwie Freiheit. Ich habe ja die Wahl.
Und wenn ich das ändern will, rebelliert etwas in mir.
Dr. Sommer:
Weil Menschen Freiheit lieben.
Dabei verwechseln sie Freiheit mit Komfortzone und mit „Ich muss mich gar nicht festlegen.“
Aber Komfortzone bedeutet erstmal nur: vorhersehbar, bekannt, vertraut sicher… selbst wenn es ungesund ist.
Ich:
Dabei bin ich ja auch überhaupt nicht frei. Ich hänge ja schon fest.
Dr. Sommer:
Genau. Das ist die Ironie. Viele Menschen verteidigen ihre Komfortzone wie Freiheit,
obwohl sie darin seit Jahren dieselben Schleifen drehen und dabei zusehen, wie es sie zerstört.
Ich:
Deshalb fühlt sich Veränderung auch so unfair an!
Dr. Sommer:
Natürlich. Weil dein Gehirn nicht denkt: „Oh toll, Entwicklung.“
Sondern: „Moment mal. Warum nehmen wir uns jetzt unsere kleinen Belohnungen weg?“
Und dann kommt dieser Satz: „Man muss sich ja auch mal was gönnen.“
– Einer der beliebtesten Tarnsätze überhaupt.
Ich:
Wieso Tarnsatz?
Dr. Sommer:
Weil dahinter oft gar kein Genuss steckt, sondern Vermeidung.
Ich:
Uff.
Dr. Sommer:
Viele Menschen nennen ihre Komfortzone Selbstfürsorge. Dabei beruhigen sie nur kurzfristig ihr Nervensystem und halten gleichzeitig genau den Zustand stabil, unter dem sie eigentlich seit Jahren leiden.
Ich:
Das so zu betrachten ist total anstrengend.
Dr. Sommer:
Ja. Weil echte Veränderung selten spektakulär beginnt, sondern erst dort, wo die Bequemlichkeit aufhört, immer das letzte Wort zu haben.
Ich:
Deswegen ist Dranbleiben auch so schwer.
Dr. Sommer:
Ja! Nicht weil du unfähig bist oder zu blöd, sondern weil Wiederholung irgendwann nicht mehr aufregend ist. An dem Punkt wird es zu einer Entscheidung.
Und genau dort zeigt sich, welche Gewohnheit stärker ist: die alte Komfortzone oder deine neue Wahl.
Ich:
Also komme ich da raus, indem ich aufhöre, aus jeder kleinen Veränderung sofort ein lebenslanges Urteil zu machen und dranzubleiben ist wichtiger als Begeisterung?
Dr. Sommer:
Jawohl! Der stete Tropfen höhlt den Stein, nicht die kurze Motivationsexplosion am Sonntagabend.
Deine Begeisterung zündet nur den Motor, während dich die Gewohnheit ins Paradies fährt.
Ich:
Und wann hört dieser innere Widerstand dann auf?
Dr. Sommer:
Wenn dein Nervensystem merkt: „Ich verliere mich nicht, nur weil ich etwas regelmäßig tue.“
Dann wird aus Pflicht Normalität und aus Normalität deine neue Identität.
Ich:
Das heißt… irgendwann denke ich nicht mehr: „Ich muss das machen.“,
sondern: „So lebe ich einfach und ich kann es ja auch wieder ändern, aber ich will nicht.“
Dr. Sommer:
Genau. Und das ist dann der Moment, in dem Veränderung endlich aufhört, anstrengend zu sein.
Wenn du merkst, dass du öfter in diesen „Ich weiß es besser, aber ich komme nicht raus“-Momenten festhängst, dann ist das kein Lifestyle-Thema, sondern ein Körper- und Zustands-Thema.
Und genau da setzen Bewegung, Embodiment und Hypnose an.
Willst Du das vertiefen – genau dieses Arbeiten unterhalb von Kopf und Motivation
– dann sind meine Ausbildungen für Dich gebaut:
👉 Tanzpädagogik (Embodiment & Bewegung als Zugang)
→ https://labulaschanga.de/ausbildung/
👉 Hypnoseausbildung (Arbeit direkt mit Zuständen, nicht nur Gedanken)
→ https://jessicavonhaeseler.de/hypnose-ausbildung/
Weil Veränderung nicht dort passiert, wo Du es verstehst, sondern dort, wo Du Dich wieder bewegst.
